Linsenluxation

Hauptauffälligkeit der Homocystinurie ist wohl die Linsenluxation
(sie tritt zu 90% auf), die - wie bei Filip - bereits mit drei Jahren einen für den Augenarzt ersichtlichen Höhepunkt erreichen kann. Wann jedoch die Entwicklung der Luxation begonnen hat, können wir als Eltern nur vermuten. Bemerkt wurde sie auf jeden Fall sehr spät.
Häufig tritt sie erst im Alter von ca. 10 Jahren auf. Die Kinder sind schon Jahre zuvor durch ihre extreme Kurzsichtigkeit (Myopie) auffällig.


Was ist eine Linsenluxation?

Die Linsenfasern (Zonularfasern) bilden das Verbindungsstück der Linse zum Ciliarmuskel und sind zwingend notwendig, um eine Anpassung der Linse an verschiedene Entfernungen zu ermöglichen. Nur durch ständige Akkomodation der Linse entsteht ein scharfes Bild auf der Netzhaut. Die Homocystinurie bewirkt ein Erschlaffen und Reißen dieser Linsenfasern, wodurch die Linse vom Ciliarmuskel nicht mehr straff gezogen werden kann - es entsteht eine kugelförmige Linse, die kein scharfes Bild mehr an die Netzhaut liefern kann. Bei Filip bewirkte dies eine Sehbehinderung mit Visus von 0,1. Je mehr Linsenfasern erschlaffen und reißen, desto mehr beginnt die Linse auch nach unten abzuhängen. Dies kann sogar zum völligen Abreißen der Linse und Abrutschen in den Augapfel führen.

 

Meist erst in der Endphase der Luxation wird sie vom Augenarzt als solche erkannt.
Genau hier spielt sich der diagnostische Scheideweg ab. Erkennt der Augenarzt die Querverbindung zu einer Stoffwechselstörung ist schon viel gewonnen. Nicht selten wird jedoch an dieser Stelle das häufiger vorkommende Marfan-Syndrom (Gewebeschwäche) vermutet. Jedoch ist hier die Linsenluxation gewöhnlich angeboren und meist nach oben. Bei der Homocystinurie entwickelt sich die Luxation zunehmends und dies meist nach unten.

 

Die Artisanlinse -
eine große Chance

Durch Filip`s Sehbehinderung war seine Entwicklung zusätzlich eingeschränkt.
Trotz starker Brille (-18,0 dpt.) konnte immer wieder nur ein Visus von 0,1 (10%) erreicht werden.
Durch einen Kontakt über das Kindernetzwerk Deutschland
( http://www.kindernetzwerk.de ) kamen wir an eine Adresse einer Tagesklinik, die sogenannte Artisanlinsen implantiert. Nach einem Beratungsgespräch mit dem dort behandelnden Arzt, war uns klar, dass dies für Filip die Chance auf besseres oder sogar auf gutes Sehen ist.

Kurzum entschlossen wir uns für diesen Eingriff:
Unter Vollnarkose wurde Filip zuerst die Linse des rechten Auges entfernt und eine Kunstlinse (Artisanlinse) an der Iris befestigt (durch sogen. "Wäscheklämmerchen"). Sechs Wochen nach dem ersten Eingriff wurde das linke Auge operiert. Die Eingriffe waren für Filip unkompliziert, da sie ambulant vorgenommen wurden. Bereits einen Tag nach OP konnte die Augenklappe jeweils entfernt werden. Einige Wochen wurden die Augen 2 - 3 x täglich mit Augentropfen nachbehandelt. Schon nach OP stellte sich ein Visus von 0,3 ein, der dann die nächsten vier Monate auf 0,6 und nach sechs Monaten mit Brillenkorrektur auf 0,8 bis 1,0 stieg. Also ein voller Erfolg ! Vor allem muss man bedenken, dass die zuvor behandelnde Uni-Augenklinik keine Möglichkeit und Notwendigkeit einer OP sah.

Die implantierten Artisanlinsen brachten für Filip viele Veränderungen:
- endlich im Alter von 5 Jahren scharfes Sehen,

das bedeutete z.B. eigene Haut und Finger entdecken,
Mond, Sterne und Wolken sehen,

Tulpen nicht mehr als wachsende Paprika, sondern als Blumen erkennen,
Fingerspiele wahrnehmen können, Bilder malen,
Tiere beobachten, .........

- Sport, hüpfen und springen wieder uneingeschränkt möglich,
da keine Gefahr mehr für hängende Kugellinse
- freies und selbstständiges Bewegen in fremden Räumen und im Freien; Filip ging nun nicht mehr ständig an der Hand, Bezugspersonen konnten sich mal mehrere Meter entfernen,
- Brille mit schwachen Gläsern (sogen. Bifokalgläser).

Nach heutigem Wissensstand kann die Artisanlinse das ganze restliche Leben belassen werden. Durch den einfachen Klammermechanismus kann die Artisanlinse aber auch jederzeit wieder entnommen werden. Sie eignet sich vor allem zur Korrektur von starken Fehlsichtigkeiten und gerade wie in Fällen der Homocystinurie, bei denen langfristig nur die Entfernung der eigenen Linse in Betracht kommt.
Der Name "Artisan" wurde übrigens als Hinweis dafür gewählt, dass die Resultate in hohem Maß vom Geschick und der Routine des Operateurs abhängig sind. Wir danken diesem Augenarzt von ganzem Herzen ....

Wer noch mehr Informationen möchte:

http://www.bessersehen.com
http://www.artisanlens.com
http://www.spirig-augen.ch
http://www.hauck-rohrbach.de